Urteil: Azubi als billige Arbeitskraft missbraucht – dhz.net

Quelle: Urteil: Azubi als billige Arbeitskraft missbraucht – dhz.net

Lese ich solche Artikel, dann fallen mir viele Storys ein. Zum Beispiel die hier:

Große Klasse. Etwas Positives im Gegensatz zu früher. In der damaligen Zeit hatte man zwar auch Rechte, nur mit der Durchsetzung haperte es. Damals hat der Meister dir erklärt: “Lehrjahre sind keine Herrenjahre.” Und das war es dann. Dann nahm man den Besen wieder in die Hand und hat weiter gemacht. Ich bin mir sicher, zu der damaligen Zeit, hätte sich kein Gericht mit solchen Fällen befasst. 

Ganz krass: Einmal, die Gesellen fuhren zu einem Richtfest in der Nähe. Ein früherer Arbeitskollege hatte gebaut und dem wollten sie gratulieren. Sie ließen mich auf der Baustelle zurück und ich sollte an den Kehlbalken die Zangen füllen. Ich stand nun “Mutterseelenallein” auf der Baustelle.

Es waren die ersten Monate, meiner ersten Ausbildung. 

Die Zangen füllen: In die Zangen sind schon Löcher vorgebohrt. Da kommen “Knacken” rein. Ebenfalls vorgebohrt. Die Knacken schiebt man so zwischen die Zangen, dass es passt mit den Löchern und dann schiebt man den Bolzen durch Zange, Knacken, Zange. Der Bolzen wird dann mit einer Mutter fixiert. Das stabilisiert das Dach gegen Zug und Druck. Z. B. Wind und Last, z.B. Schnee.

Ich kletterte rauf und merkte schlagartig: Das ist nichts für mich! Freie Sicht in die Tiefe, zur Seite und nach oben. Jetzt sollte ich auf diesen wackeligen Zangen längs balancieren und auch noch in gebückter Haltung da arbeiten und die Knacken einbauen. Nicht mit mir. Nicht einmal eine Leiter war auf der Baustelle, die war noch auf dem Firmentransporter, mit dem die Gesellen abgefahren sind.  Mit der Leiter hätte ich von unten arbeiten können.

Sie kamen fröhlich beschwingt zur Baustelle und wurden abrupt wieder nüchtern, als sie merkten, es ist noch nichts getan. Die Gesellen liefen auch nicht da oben rum,  wegen der Promille, bis auf einige von der alten Garde, nahmen sie auch die Leitern vom Wagen. 

Ich musste feststellen, mit vereinten Kräften ging alles viel, viel schneller. Innerhalb von 1ner Stunde war es getan.

Die kommenden drei Wochen musste ich jeden Tag 2 Stunden länger arbeiten. Unentgeltlich. Den Hof aufräumen, die Werkstatt fegen und beim Chef den Keller putzen. Hilfe war von keiner Seite zu erwarten, sogar mein Vater hat mich noch zusätzlich verspottet und meinte: “Selber Schuld.”

Im dritten Lehrjahr bekam ich ich durch einen Junggesellen Unterstützung. Dafür danke ich ihm heute noch.   (Es spielt in den 1960ern)

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